Senet spielen: die Regeln der App und was vom antiken Brett übrig ist
Senet ist kein Genre, sondern ein bestimmtes Spiel: drei Reihen zu zehn Feldern, Steine in zwei Formen, geworfen wird mit vier zweiseitigen Stäben. Die App bildet genau dieses Brett nach und nennt in ihrem Regeltext offen, worauf sie sich stützt.
Das Brett: drei mal zehn
Auf dem Store-Bild steht das Brett schräg im Raum, dahinter eine Wand mit Inschriften. Dreißig Felder in drei Reihen, eingefasst von einem dunklen Rahmen mit umlaufendem Zeichenband. Die Steine gibt es in zwei Formen: dunkelrote Kegel und blaue Spulen — genau die Unterscheidung, die auch Funde zeigen, denn gefärbt wurden Spielsteine selten, geformt dagegen immer.
Der Wurf: vier Stäbe statt Würfel
Vor dem Brett liegen vier flache Stäbe, jeder auf einer Seite rot, auf der anderen hell. Auf einem Bild steht daneben eine orange 2, auf einem anderen eine 4. Damit ist die Mechanik klar: Gezählt wird, wie viele Stäbe hell nach oben fallen, und das Ergebnis ist die Schrittzahl.
Vier Stäbe ergeben fünf mögliche Ausgänge, und sie sind unterschiedlich wahrscheinlich — zwei oder drei kommen häufiger als eins oder vier. Wer das Spiel nur als Glücksspiel abtut, unterschätzt, wie stark sich diese Verteilung auf die Zugwahl auswirkt.
Die Regelseite und ihre Quelle
Die App erklärt ihr Ziel in zwei Sätzen: Man spiele „gegen einen unsichtbaren Gegner innerhalb eines versteckten, ägyptischen Grabes“, und gewonnen habe, wer „zuerst alle seine Bauern vom Spielbrett geführt hat“. Es geht also ums Herausbringen, nicht ums Schlagen.
Der dritte Satz ist der wertvollste: „Dieses Spiel wendet die Regeln von Timothy Kendall mit kleinen Änderungen an.“ Damit steht eine benennbare Quelle im Spiel selbst — in Brettspiel-Apps eine Seltenheit. Welche Änderungen gemeint sind, sagt die App allerdings nicht.
Ausgangslage Brett 3 x 10, eigene Steine stehen im Weg verteilt
Wurf vier Stäbe fallen, zwei zeigen hell nach oben
Anzeige neben dem Brett erscheint eine orange 2
Zug ein eigener Stein rückt zwei Felder vor
Bedingung das Zielfeld darf nicht vom eigenen Stein besetzt sein
Ziel alle eigenen Steine vom Brett führen
Abgelesen von zwei Store-Bildern und der Regelseite der App. Sonderfälle, die auf keinem Bild vorkommen, stehen hier nicht.
Die fünf markierten Endfelder
Am Ende der unteren Reihe tragen fünf Felder Zeichen, und sie sind auf dem Bild einzeln zu erkennen. Auf Feld 26 stehen drei Nefer-Zeichen nebeneinander, auf Feld 27 drei Zickzacklinien übereinander, auf 28 drei stehende Vögel, auf 29 zwei sitzende Figuren und auf 30 ein einzelner Vogel mit Federschopf.
Diese Markierungen sind der Grund, warum Senet-Bretter aus Museen sofort wiedererkennbar sind: Die letzten fünf Felder sind der eigentliche Spielabschnitt, alles davor ist Anlauf. Was Nefer und die Wasserlinie bedeuten, steht mit Quellenangabe im Zeichenteil.
Was die App sonst noch zeigt
Der Menübildschirm bietet fünf Einträge: 1 Spieler, 2 Spieler, Regeln, Abspann und Wertung. Ein Sprachfenster hält zwölf Flaggen bereit, darunter Deutsch, Arabisch mit ägyptischer Flagge, Koreanisch und Niederländisch. Am Ende einer Partie rollt eine Papyrusrolle mit einem Wort auf: „Gewinner!“ oder „Verlierer!“.
Im Fuß des Menüs steht „© Copyright 2013-2014 Ezzat Studios, LLC“, während der Store als Anbieter EngagingX nennt. Solche Abweichungen zwischen App und Eintrag sind normal, sie sagen aber etwas über das Alter der Oberfläche.
Was sich an diesem Eintrag bewegt hat
- 06.08.2013
- Der Eintrag erscheint im Play Store. Damit ist Senet der älteste Titel dieser Auswahl — Temple of Anubis folgte sieben Wochen später.
- 2013 bis 2014
- Die Jahreszahlen aus der Copyrightzeile im Menü. Die Oberfläche stammt sichtbar aus dieser Zeit — Flaggenknöpfe, geflügelte Schaltflächen, Papyrusrollen.
- 14.02.2026
- Version 1.4.9. Unter den sieben Einträgen mit eigener Seite ist das die älteste Aktualisierung; alle übrigen wurden 2026 später angefasst.
- 11.09.2026
- Prüftag: 4,6 aus 6.541 Wertungen, 100.000+ Installationen. Im Histogramm stehen 5.282 Fünf-Sterne-Wertungen, 641 mit vier, 320 mit drei, 246 mit einem — und bei zwei Sternen eine glatte Null.
Werbung, Käufe und Versionsstand
| Spiel | Werbung | In-App-Käufe | Version |
|---|---|---|---|
| Senet | ja | 1,89 € als einziger Posten | 1.4.9 |
| Ancient Games | ja | 0,99 € bis 4,99 € | 3.4.11 |
| Temple of Anubis | ja | 0,83 € bis 12,46 € | 1.8.4 |
| Pyramid Solitaire | ja | 2,09 € bis 31,99 € | 6.1.1.5151 |
| Archäologe: Altes Ägypten | nein | 3,59 € bis 43,99 € | 2.1.2 |
| Mystery Files | ja | 1,19 € bis 104,99 € | 11.21.0.0 |
Preise gelten für die Abrechnung über Google Play. Orientierung, kein Angebot.
Die offene Stelle
Welche „kleinen Änderungen“ die App an den Kendall-Regeln vornimmt, steht nirgends. Wir haben die Partien nicht gegen die Vorlage nachgerechnet, und ohne das ist jede Aussage dazu eine Vermutung. Auch die Frage, wie stark der Computergegner spielt, bleibt offen — der Eintrag kennt keine Schwierigkeitsstufen, und die Bilder zeigen keine.
Wer Senet neben anderen antiken Brettern sehen will: Ancient Games zeigt auf seinen Bildern acht verschiedene Bretter auf hellem Grund, darunter das Königliche Spiel von Ur mit seinen Rosetten und ein Mühlebrett. Wie diese Einträge geprüft wurden, steht auf der Methodenseite.
Kennen Sie die Kendall-Regeln im Original?
Ein Hinweis darauf, wo die App abweicht, wäre für diese Seite die beste Ergänzung.
Antwort meist innerhalb von zwei Werktagen. Ergänzungen werden mit Datum vermerkt.